Freitag, 4. März 2011

Cromwell

Ich wohne in einem kleinen Oertchen namens Cromwell, Population 2600. Der Lonely Planet meint zu Cromwell folgendes:
"There's a couple of really good reasons to visit Cromwell: the sweet historic precinct near the lake...
..., and to eat (and eat and eat). Courtesy of great local farms and orchards the little town has way more than its fair share of great eateries..... Oh, and there's a third reason: take a photo of yourself beside the spectacularly ugly giant fruit salad at the entrance to town."

Aber da ich leider kein Foto von mir und dem gesamten Obstsalat machen konnte hab ich halt eins von Harrison mit Obstsalat gemacht :-) Und das ist Cromwell von oben...
... und so sieht's aus, wenn ich morgens aufstehe und aus meinem Fenster gucke:

Nicht schlecht, Herr Specht, oder?

Donnerstag, 3. März 2011

Erdbeben Update

Das schlimme Erdbeben ist natuerlich immer noch das Topthema hier, ist ja auch klar. Man muss sich mal ueberlegen auf wie viele Menschen das einen Einfluss hat mit so vielen Toten (mittlerweile schon 170, furchtbar) und so vielen zerstoerten Haeusern.
Ich meine, jeder, der schonmal einen Menschen verloren hat, weiss, wie sehr das Familen zeruettet oder sogar zerstoeren kann, und auf wie viele Menschen das Einfluss hat. Man will sich das Ausmass gar nicht vorstellen, und man kann es auch gar nicht.
Am Dienstag um 12:51 Uhr gab es 2 Schweigeminuten, gefolgt von der neuseelaendischen Nationalhymne, Gaenshehaut. Heute ist schwarz-roter Kleidungs-Tag, aus Solidaritaet gegenueber aller Betroffener.
Die Hilfsbereitschaft der Neuseelaender ist einmal wieder unuebertreffbar, jeder gibt was er kann, ob finanziell oder durch Tatkraft. Wo man hingeht Spendenaktionen, das ist das einzige Schoene an der Sache.
Und nochmal gute Neuigkeiten: ich habe mittlerweile von beiden Freundinnen aus Christchurch gehoert, von denen ich so lange nichts gehoert habe. Das Handy der einen liegt im Schutt ihres Hauses vergraben. Die andere lag fast 10 Tage im Krankenhaus mit mehreren Frakturen und Quetschungen, aber ansonsten geht es ihr gut. Ich bin so froh.

Sonntag, 27. Februar 2011

Hawkshead Wine

Trotzdem das schlimme Erdbeben in Christchurch alles andere relativiert moechte ich Euch etwas von meiner Arbeit auf dem Weinberg (ich nenne es einfach so) erzaehlen.
Ich kann mir aussuchen wann ich anfange und aufhoere, ich kann  mir meine freien Tage aussuchen, solange die Arbeit halt irgendwann erledigt wird. Alles ist also sehr, sehr locker.
Die Besitzer der Hawkshead Winery sind Denis (Kiwi) und Ulrike (Deutsche), ein aelteres, sehr sehr nettes Ehepaar.
Meistens arbeite ich zwischen 9 und 10 Stunden am Tag, fange so gegen halb 9 an.
Die ersten 3 Tage habe ich Blaetter abgerissen vom Pinot Grigio. Ja, genau. Denn wir sind ja hier in Neuseeland und nicht- sagen wir mal- in Australien oder Chile, wo immer die Sonne brennt. Deswegen muss man immer mal wieder das Laub lichten, damit mehr Sonne an die Trauben kommt.
Seitdem ich damit fertig bin mache ich nun "Fruit Dropping". Das bedeutet, dass ich alle schlechten und ueberschuessigen Trauben abschneide. Dieses Jahr hat es sehr viel geregnet und deswegen sind die Reben nicht so kraeftig wie sonst, was bedeutet, dass pro Ranke nur eine Traube dranbleiben darf, da sie sonst nicht ausreifen. Und man will ja guten Wein trinken.
Die Arbeit ist sehr anstrengend, aber machbar. Und genau das, was ich wollte. Viel Zeit draussen, viel Zeit zum Nachdenken, Kopf frei kriegen. Und abends richtig muede sein.
Und so sieht mein Arbeitsplatz aus:


Da kann man's aushalten, oder?
Ja, und meine Unterkunft ist auch in einem suessen, kleinen Haus, in dem ich zusammen mit der Buero-Lady (Gael) und ihrem Hund (Molli) wohne, so viel besser als die Letzte. Kein Vergleich.
Von dem her entwickelt sich fuer mich gerade in die richtige Richtung. Ich geniesse es sehr, hier zu sein.

Freitag, 25. Februar 2011

Erdebeben in Christchurch

Die Flaggen sind auf Halbmast, das gesamte Land steht auf dem Kopf. Seit dem 22.02.  ist hier alles anders geworden.
Es ist eon aehnliches Gefuehl wie beim 11. September, aehnliche Bilder.
Das Erdbeben dieses Mal war zwar nicht so stark wie das letzte im September, aber es hat deutlich mehr Schaden angerichtet. Das letzte Mal war das Erdbeben in den fruehen Morgenstunden, alle Leute waren zu Hause und trotzdem viele Haeuser eingestuerzt waren, kam wie durch ein Wunder keiner ums Leben.
Dieses Mal war es mittags um 1 Uhr, die gesamte Innenstadt war belebt. Das Epizentrum lag 10 km vom City Center weg, in Lyttleton, der Hafenstadt von Christchurch.
Bei der letzten Zaehlung waren es 113 Tote, 226 Vermisste. Seit Mittwoch Nachmittag wurden keine Lebenden mehr geborgen.
Es ist Chaos, Hochaeuser, die dem letzten Erdbeben standgehalten haben, sind dieses Mal eingestuerzt, Wahrscheinlich zu sehr geschwacht von dem letzten Beben. Ein Drittel der Haesuer in der Innenstadt muessen abgerissen werden. Die beruehmte Kathedrale ist zerstoert, eingestuerzt. Im Inneren befinden sich noch mindestens 20 Tote.
Viele Leute fluechten nun aus Christchurch, auch hier haben wir welche aufgenommen. Das Motto ist, Hauptsache weg. Kann ich sehr gut verstehen. Kein Strom, kein fliessendes Wasser, aber v.a. die Angst vor Nachbeben (es gab schon ueber 50) oder einem erneuten grossen Beben. Absolute Unsicherheit.
Ich habe einige Freunde in Christchurch, von zweien habe ich bisher noch nichts gehoert, obwohl die Telefonleitungen wieder funktionieren.
Ich hoffe einfach nur, dass es andere Gruende gibt, wieso ich sie nicht kontaktieren kann.
Ich werde bald Neues berichten, sobald ich in Cromwell (wo ich wohne), einen Ort gefunden habe, an dem ich ins Internet kann.
Carpe diem, es kann so schnell vorbei sein.

Freitag, 18. Februar 2011

Was mache ich hier eigentlich?

Ich liebe Wanaka! Die regelmäßigen Leser haben ja schon Fotos von Wanaka gesehen, denn ich war zweimal dort, als ich an der Westküste gearbeitet habe. Und da Wanaka jetzt wieder die nächste "Stadt" ist vom meinem Arbeitsplatz bin ich natürlich wieder dorthin gefahren, als ich meine ersten freien Tage hatte.

Wanaka ist herrlich, um den Kopf frei zu kriegen und Nachzudenken. Und das habe ich getan und mir einige wenige, aber sehr wichtige Fragen gestellt:
1. Wofür bin ich nach Neuseeland gekommen?
Um meinen Kopf frei zu bekommen und Äpfel zu pflücken.
2. Warum mache ich das dann nicht?
Weil es in der Obstpflückbranche keine freien Stellen gibt.
3. OK, was hat Dir bisher in Neuseeland am meisten Spaß gemacht?
Auf der Farm zu arbeiten, die körperliche Arbeit und draußen zu sein.
4. Und warum arbeitest Du dann im Cafe?
Weil ich Geld verdienen muss.
5. Bist Du da glücklich?
Nein, überhaupt ganz und gar nicht. Null. Unglücklich sogar.
6. Gibt es keine Alternative?
(Und jetzt kommt´s) DOCH! Weinbau!
Und wie es der Zufall so will habe ich nachdem ich etwas laufen war und mir diese Fragen beantwortet habe Emails gecheckt und da kam eine von einem kleinen privaten Weinbau, Weinberg, Wein..., mir fällt das richtige Wort nicht ein, das erste Mal. Auf English heißt es Vineyard (Weinberg, aber es ist ja gar kein Berg), oder Winery (Weinerei?). Ihr wisst, was ich meine. Jedenfalls war ich mit denen schonmal Anfang des Jahres in Kontakt und die haben jetzt eine Stelle für mich. und es ist ganz in der Nähe. Und dann bin ich direkt hingefahren und hab mir das angeschaut und ich werde, ja, werde, denn ich fange Montag dort an, erstmal Weinreben beschneiden, die schlechten Trauben abschneiden, damit die guten wachsen können und dann ernten :-)
Wir haben das gleich fix gemacht, denn ich hab hier im Cafe noch keinen Vertrag unterschrieben und kann gehen wann ich will. Also morgen. Das ist eigentlich denen ihre eigene Schuld, denn die wollten eine Woche Probezeit um zu sehen ob sie mich behalten wollen, aber ich kann jetzt genauso gehen. Als ich Bescheid gesagt hab heute Morgen waren sie alle sehr verständisvoll, fand ich ganz lieb und es hat es mir leichter gemacht. Denn im vorherigen Post habe ich etwas untertrieben, mir gefällt´s hier nämlich absolut nicht. Und ich konnte die guten Seiten zwar sehen, aber die schlechten Seiten haben zu stark überwogen.
Dieser ganze Dreck hier überall, ich glaube die Küche im Cafe wurde seit Monaten nicht mehr richtig geputzt. Egal jetzt, fahre ja morgen früh weg :-)
Das ist der Luxus hier, den ich habe: Gefällt es mir irgendwo nicht, dann gehe ich einfach, es hat ja für mich keine Konsequenzen.
Nach dem ganzen Gerede jetzt noch ein paar Fotos.
Als ich wieder nach Makarora zurück gefahren bin haben sich die Berge und Seen nochmal von ihrer besten Seite gezeigt. Hier der Lake Hawea:

Und der Lake Wanaka:

Als ob sie sagen wollten "Blein doch hier".
Aber da wo ich hingehe ist´s auch nicht schlecht. Hier ein Blick über Queenstown und Arrowtown:

Und hier der Blick über das Gibbston Valley, wo ich zukünftig arbeite:
Und für alle, die es interessiert, hier ein Link zur Website meiner "Weinerei".
Freu mich voll darauf!

Mittwoch, 16. Februar 2011

Makarora

Schweren Herzens bin ich also aus Methven weggefahren in Richtung Süden. Passend hierzu wurde das Wetter schlecht. Es waren etwa 450 km und ich habe ein paar Fotos gemacht von der Landschaft durch die ich gefahren bin.
Das ist irgendwo zwischen Methven und dem Lake Tekapo:
Und auf dem nächsten Bild sieht man den Lake Tekapo, der der idyllischste Bergsee in Neuseeland ist, aber leider nicht bei schlechtem Wetter.
Das Wasser ist normalerweise ein ganz krasses Türkis. Ich werde auf dem Rückweg nochmal hier vorbeifahren und hoffe, dass ich dann mehr Glück habe.
Und das nächste Bild ist irgendwo zwischen Onemana und Wanaka.
Sorry, kann´s nicht näher beschreiben, denn es gibt da ja nichts außer Natur, nicht einmal ein Dorf.
Tja,und dann komme ich in Makarora an, es regent aus Eimern. Und ich wurde von meinem Boss, Murray, zu meiner Unterkunft gebracht. Ja. Und ich muss gestehen, dass ich am liebsten direkt wieder gefahren wäre.
Meine Unterkunft ist eine Blechhütte (normal für Neuseeland), was ja noch nicht weiter schlimm ist, denn es gibt Strom und Wasser. Aber Ihr könnt euch nicht vorstellen wie dreckig das war. Da haben vorher 2 Studentinnen gehaust und die haben nicht geputzt bevor sie gefahren sind. Der Kühlschrank verschimmelt. Und dann das Bad: Wie soll ich mich gepflegt ausdrücken: es wurde auf den Boden uriniert und das Klo war- kein Kommentar.
Ich hab fast geheult, das war so krass. Ich habe erstmal 3 Stunden geputzt bis ich auch nur irgendwas in diese Hütte gebracht habe. Zum Glück kam dann noch Grant (Engländer), der mir das Badezimmer und den Kühlschrank geputzt hat, ansonsten wäre ich nie fertig geworden.
Um ins Badezimmer zu kommen muss man erstmal raus und nachts kühlt es mächtig ab, dementsprechend ist es auch in der Hütte eisig kalt.
Ich fühle mich dort immer noch nicht richtig wohl, versuche aber die guten Seiten zu sehen. Immerhin wohne ich nicht in dem Haus in dem die restlichen Mitarbeiter wohnen, da ist es genauso dreckig, nur hätte man da keine Chance es nach dem Putzen auch sauber zu halten. Und ich habe eine kleine Heizung bekommen, hoffe die funktioniert. Und ich habe meine Ruhe dort und morgens wecken mich nur die Tuis auf. Und ich zahle nur 30 NZD Miete/Woche.
Und so ist der Blick aus zweien meiner 3 Fenster:

Die Arbeit an sich ist ok, aber eben etwas stupide. Kenne das ja in nem Cafe jetzt schon, und wirklich Spaß macht es mir nicht, aber nun gut, habe ja schon erwähnt, dass man sich die Jobs nicht aussuchen kann. Die meisten Mitarbeiter sind Anfang 20 und betrinken sich jeden Abend, da habe ich  wirklich keine Lust zu. Dann gibt es sehr viele über 50 die- wie es scheint- schon seit Jahrzenten jeden Abend trinken, und das ist jetzt auch nicht so mein Fall. Und dann gibt es wenige in meinem Alter, die ich aber erstmal richtig kennenlernen muss, mal sehen. Aber sie sind alle echt nett zu mir.
Hier habe ich mal den Biergarten des Cafes fotografiert:

Und so sieht der Blick aus dem Cafe zur Vorderseite aus:

Ist also wunderschön, wo ich arbeite. Muss dem Ganzen einfach nur eine Chance geben, dann wird es schon werden.

Samstag, 12. Februar 2011

Kein Krankenhaus von innen und so....

Als ich im Oktober mein Jahr Auszeit begonnen habe, habe ich mir geschworen ein Jahr lang kein Krankenhaus von innen zu sehen. Hat nicht geklappt. Aber keine Angst, es ging nicht um mich. In dem Hostel in Methven haben neben mir und Nadine noch Tara (aus Japan) und Karina (aus Chile) gearbeitet. Karina hatte seit Tagen Zahnschmerzen und wir haben sie irgendwann zum Zahnarzt geprügelt. Sie hatte einen infizierten Zahn, der gezogen wurde. Als sie ins Hostel zurückkam war ihr kalt (bei über 30 Grad draußen) und sie hatte Schüttelfrost. Nachdem wir sie ins Bett gepackt hatten bekam sie dann - natürlich- Fieber und wurde tachykard. Wir haben dann einen Krankenwagen gerufen, der sie ins nächste Krankenhaus gebracht hat- und ich wollte eigentlich echt nicht mit (Enrique ist ja schon als Übersetzer mitgefahren, weil Karina nur Spanisch spricht) , aber ich konnte ja auch schlecht Nein sagen, als ich darum gebeten wurde.
Also hab ich dann erstmal einen neuseeländischen Krankenwagen von innen gesehen, nagelneu, und das Beste waren die (von außen getönten) Panorama- Fensterscheiben. Echt cool, da kann man wenigstens etwas sehen, wenn man drinnen sitzt, nicht so wie bei uns, wo die Rückfahrten ins Krankenhaus immer ewig langweilig sind.
Im Krankenhaus angekommen ging´s in die Notaufnahme- großes Schild "ER" :-)
Und dann hab ich mir gedacht, irgendwie ist das anders hier, nur was? Und dann ist´s mir aufgefallen: Keine Patienten. An einem Freitag Abend ist die Notaufnahme leer! Somit hatten wir 3 Krankenschwestern und einen Arzt für uns und alles ging recht gemütlich zu. Gut, wenn man die Zeit hat...
Ansonsten war alles recht ähnlich wie bei uns auch, sogar viele gleiche Medikamente und Geräte, war ganz interessant. War aber trotzdem heilfroh, als wir wieder gegangen sind.
Die arme Karina ist mit einer beginnenden Sepsis 3 Tage lang im Krankenhaus geblieben zur i.v.-Antibiose und ist jetzt wieder zurück im Hostel aber immer noch nicht ganz auf der Höhe. Was so ein Zahn alles anrichten kann, hey.
Jedenfalls sah so mein letzter Abend in Methven (bzw. im Krankenhaus in Ashburton) aus. Mag hier nicht weg, es gefällt mir echt gut. Aber irgendwoher muss man ja Geld bekommen, habe keine andere Wahl als zu gehen.
Etwas einfacher hat es mir gemacht, dass Nadine schon einen Tag vor mir gefahren ist um in Akaroa zu arbeiten. Aber was es mir schwere gemacht hat ist, dass Marie auf einmal da stand und jetzt auch angefangen hat im Hostel zu arbeiten.
Goodbye Methven, I´ll be back. Und dann werden die Gipfel der Berge Schneemützen tragen.